Bayerisches Eisenbahnmuseum

Aktuelles

29.8.2017 - Dampflok „Luci“ wieder unter Dampf

Nach 27jähriger Abstellzeit wieder in Betrieb: Erste Dampflok des Bayerischen Eisenbahnmuseums nach umfangreicher Restaurierung wieder betriebsbereit (ab) Mit ihr hatte damals alles begonnen: Zum Jahreswechsel 1974/75 zeichnet sich für den damals noch jungen Verein ein entscheidendes Ereignis ab. Die Farbwerke Hoechst in Gersthofen musterten ihre letzte Dampflok Nr. 3 aus und entschlossen sich, diese dem damaligen „Eisenbahnclub München“ zu überlassen. Heute ist sie im Nördlinger Eisenbahnmuseum wieder unter Dampf anzutreffen.

 

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Aus dem Handbuch der Firma Orenstein & Koppel ist zu ersehen, dass die Lok 3 „Luci“ zuerst als kohlegefeuerte, 2/2-gekuppelte Dampflok der Spurweite 1524 mm mit 200 PS durch die Filiale in Petersburg am 15.04.1914 von den Ishora-Werken bestellt worden ist. Die Ishora-Werke in der Stadt Kolpino, 26 km süd-östlich von St. Petersburg an der Nikolai-Bahn Richtung Moskau gelegen, unterstanden der Verwaltung der Admiralität des Zaren und bauten um 1914 Raddampfer und Schiffsantriebe.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges wenige Monate später verhinderte die Auslieferung. Erst nach der Bestellung der Höchster Farbwerke durch deren Filiale in Kassel am 02. September 1914 fand die Lok nach ihrer Umspurung auf 1435 mm und Erhöhung der Leistung auf 225 PS zusammen mit einem amerikanischen Funkenfänger als Extraausstattung einen neuen Eigentümer, der sie nach ihrer Lieferung am 27. Dezember 1916 in seinen Werken einsetzte.

Die erste Betriebsgenehmigung der Deutschen-Reichsbahn-Gesellschaft (Rbd Frankfurt am Main) stammt vom 07. April 1926. Unter der Betriebsnummer 28 war die Lok auf dem Werkbahnnetz der I.G. Farbenindustrie, Höchst am Main bis Frühjahr 1931 im Einsatz, wurde vom 01. April 1931 bis 31. März 1933 vorübergehend außer Betrieb gesetzt und kam schließlich erst nach vollzogener Hauptuntersuchung am 29. Mai 1933 erneut zum Einsatz. In Höchst hatte man jedoch keine Verwendung mehr für die Lok, und so wurde sie an das Zweigwerk „Lech-Chemie“ in Gersthofen bei Augsburg abgegeben. Am 30. Juni 1933 erreichte sie ihre neue Heimat und blieb dort unter der Nummer 3 über vier Jahrzehnte in Betrieb. Obwohl sie zum Schluss nur noch als Reservelok diente und selten eingesetzt wurde, erhielt Nr. 3 nochmals eine Hauptuntersuchung, die am 31. Juli 1972 abgeschlossen war.

Anfang 1975 erklärte sich die Betriebsleitung dankenswerterweise bereit, die Lok dem Eisenbahnclub München e.V. zu überlassen, nachdem man sich ohnehin schon Gedanken über eine Abstellung der Maschine gemacht hatte. Aus der Firmenbezeichnung des Gersthofener Werks „Farbwerke Höchst AG – vormals Meister Lucius & Brüning“ wurde der neue Name der Lok abgeleitet: „LUCI“. Die heute an der Lok befindlichen Namensschilder aus Messing wurden von einem Vereinsmitglied in Handarbeit hergestellt. Was damals noch ohne größere Schwierigkeiten möglich war, würde heute so manchem DB Netz-Mitarbeiter schlaflose Nächte bereiten: Die Überführung der Lok nach München sollte im April 1975 mit eigener Kraft über die auch damals schon viel und schnell befahrene Hauptstrecke Augsburg – München erfolgen. Mit ihrem langjährigen Lokführer am Regler ging es zunächst zum Bahnhof Gablingen, wo der DB-Lotse zustieg, und dann auf den Bundesbahn-Gleisen weiter nach Augsburg. Nach Wasserfassen im dortigen Bw „klapperte“ sie nun im zunehmenden Schneeregen gegen 0:40 Uhr über die Ausfahrweichen auf die Schnellstrecke Richtung München. Ein kurzer Halt in Mering und schon ging es weiter nach Nannhofen, wo um 02:00 Uhr morgens mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr die Wasservorräte ergänzt wurden. Frisch gestärkt verlief auch die weitere Fahrt ohne Zwischenfälle. In Lochhausen wurde aus Sicherheitsgründen noch einmal nachgetankt, in München-Pasing begannen bereits die ersten S-Bahnen zu fahren und kurz nach 05:00 Uhr war endlich das Betriebswerk München Hbf erreicht.

Am Wochenende 31. Mai / 1. Juni 1975 stellte der Verein seine neue Lok der Öffentlichkeit vor. Trotz strömenden Regens waren Tausende auf den Beinen, um wieder einmal eine Dampflok in Betrieb zu sehen und an den Sonderfahrten zwischen Thalkirchen und Großhesselohe teilzunehmen.

Mittlerweile war auch die bayerische Filmindustrie auf unsere Lok aufmerksam geworden. So musste am 13. Juni 1975 erneut angeheizt werden und in den Mittagstunden dampfte „LUCI“ im dichten S-Bahn-Verkehr nach Schleißheim und weiter auf das Flugfeld, wo an zwei Drehtagen Szenen für den Spielfilm „Berlinger“ aufgenommen wurden. Vor der Rückkehr musste eine neue Bleibe für die Maschine gefunden werden, da sie im Bw München Hbf nicht mehr unterkam. In sehr entgegenkommender Weise fand sich das Bw München-Ost bereit, eine Dampflok zu dulden; „LUCI“ traf am 24. September 1975 dort ein. Zwei Monate später, mitten in den Vorbereitungen für die Kesseluntersuchung, erreichte den Verein eine weitere dringende Anforderung für eine Filmfahrt. In aller Eile wurde die Lok betriebsfähig gemacht, von der DB abgenommen und zum 14. Dezember 1975 wieder angeheizt. Zusammen mit dem Localbahn-Post-Personenwagen 09 416 des Vereins und zwei Wagen der Tegernseebahn sollte im Bahnhof Schwabhausen an der Strecke Dachau – Altomünster für „Sternsteinhof“ gedreht werden. Die Fahrt, die bis nach Markt Indersdorf führte, gestaltete sich zu einem winterlichen Dampfspektakel, wie es lange Zeit im Münchner Raum nicht mehr geboten wurde. Leidersollte diese Fahrt für die Luci längere Zeit ihre letzte unter Dampf werden.

Das generelle Verbot der Deutschen Bundesbahn, ihre Strecken mit Dampflokomotiven zu befahren und das Fehlen geeigneter Privatbahnstrecken im Raum München schob weiteren Dampfeinsätzen einen Riegel vor. Die trotzdem 1976 und 1978 durchgeführten Untersuchungen des Kessels ergaben keinerlei Beanstandungen und ließen auf einen Einsatz in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hoffen.

Erst nachdem Mitte des Jahres 1980 erste Kontakte mit der Stadt Monheim (Schwaben) geknüpft werden konnten und große Aussichten bestanden, auf der städtischen Bahnstrecke von Monheim nach Fünfstetten einen Museumsbahnbetrieb einrichten zu können, wurde mit den zur Wiederinbetriebnahme der Dampflok nötigen Arbeiten begonnen. Nahezu alle Bauteile vom Schornstein bis zu den Radsätzen wurden nach und nach in über 1000 freiwilligen Arbeitsstunden von ehrenamtlichen Arbeitskräften aufgearbeitet und untersucht. Die innere Untersuchung des Dampfkessels erfolgte am 2. April 1981, die vorgeschrieben Wasserdruckprüfung mit 15,5 bar am 9. April 1981. Nach dem der Kessel wieder betriebsfähig war, begann die Untersuchung des Fahrwerks, wozu die Lok ausgeachst werden musste. Nach mehreren Probeeinsätzen erfolge am 1. September 1981 die bahnamtliche Abnahme der Maschine. An den folgenden Tagen wurde die Lok versandfertig gemacht und auf einen Tiefladewagen verladen. Bei der Firma MBB in Donauwörth konnte Luci wieder abgeladen werden und erreichte wenige Tage später bereits Fünfstetten, nachdem für den 11. September 1981 bereits ein erneuter Filmeinsatz („Der Glockenkrieg“) angesetzt war. Am Wochenende 26./27. September 1981 schließlich wurde auf der Strecke Fünfstetten – Monheim zur deren 75jährigen Bestehen gleichzeitig offiziell der Museumsbetrieb des Vereins aufgenommen.

1985 war Luci dann den Sommer über auf dem Tafelwerksgelände in Nürnberg täglich im Einsatz: Hier fanden die großen Feierlichkeiten zum Jubiläum „150 Jahre Deutsche Eisenbahn“ statt und Luci fuhr die Besucher vom Osteingang des Ausstellungsgeländes in die Ausstellung „Zug der Zeit – Zeit der Züge“. Gekrönt wurden diese Einsätze durch die Teilnahme bei den Fahrzeugparaden in Nürnberg-Langwasser sowie dann im Dezember nochmals mit Jubiläumsfahrten auf der Fürther Hafenbahn. Anschließend zog die Lok gleich in ihr neues Domizil ein: das Eisenbahnmuseum Nördlingen. In den Folgejahren zeigten sich zunehmend technische Mängel am Kessel, die schließlich im Jahre 1989 zur vorläufigen Abstellung führten. Die damalige Lokwerkstatt des Museums verfügte noch nicht über die Fertigkeiten, mit Kupferfeuerbüchsen ausgerüstete Kessel vollständig zu restaurieren. Für die Museumsaktivitäten standen zwischenzeitlich auch andere Dampfloks zur Verfügung.

 

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Zum Jahreswechsel 2015/2016 keimte bei einer Gruppe jüngerer Mitarbeiter des Museumsder Gedanke, die Lok doch wieder instandzusetzen, nachdem ihr 100. Geburtstag bevorstand. Nach Klärung der technischen Fragen und Sicherstellung der Finanzierung durch den Geschäftsführer und Eisenbahnbetriebsleiter der BayernBahn GmbH, Andreas Braun, der schon 1981 die damalige Wiederinbetriebnahme geleitet hatte, wurde das Projekt mit Elan angegangen. Nach Ausbau des aus dem Jahre 1972 stammenden, alten Rohrsatzes wurden zunächst Kessel und Feuerbüchse eingehend untersucht. Nachdem der Kesselsachverständige grünes Licht signalisiert hatte, begann die Beschaffung des neuen Rohrsatzes. Gleichzeitig wurden zahlreiche Komponenten abgebaut, instandgesetzt, geprüft und wieder angebaut. Fahrwerk und Bremsanlage wurden ebenfalls untersucht. Auch der Schornstein musste neu gebaut werden. Schließlich stelle sich auch noch heraus, dass die alte Rauchkammertür so abgezehrt war, dass eine Reparatur nicht mehr sinnvoll schien. Also musste hier geeigneter Ersatz gefunden und entsprechend nachgebaut werden. Im Ende Juli 2017 konnte erstmals wieder angeheizt werden; die restlichen Arbeiten zur Fertigstellung der Instandsetzung erfolgten im August. Am 23. August wurde die Maschine das erste Mal offizielle päsentiert. Am darauffolgenden Wochenende wurde die nunmehr 101-jährige LUCI auf den „Rieser Dampftagen“ im Eisenbahnmuseum Nördlingen von allen Besuchern bestaunt.

 

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Technische Daten

Bauart:                                       Bn2t, Allan-Steuerung Normalspur

Länge der Puffer:                     8.000 mm

Achsstand:                               2.300 mm

Treibrad-Durchm.:                  1.000 mm

Kesseldruck:                           12 atü

Zylinder-Durchm.:                  350 mm

Kolbenhub:                             500 mm

Leergewicht:                           21 t

Dienstgewicht:                       24 t

Bremsgewicht:                       16 t

Radsatzlast:                            12 t

Rostfläche:                              1,00 qm ges.

Heizfläche feuerberührt:       54,25 qm

Leistung:                                 ca. 225 PS

Höchstgeschwindigkeit:      45 km/h

Kohle:                                      ca. 1,3 t

Wasser:                                  ca. 1,5 cbm                                      -

Max. Anhängelast:                 - in der Ebene: 850 t
                                                  - Steigung 20 ‰: 120 t

Werksangaben:                      Auf der 19 ‰ Steigung des Anschlussgleises
                                                   Gersthofen – Gablingen zog die Lok in

                                                   Ausnahmefällen über 450 t (!).

 

Aktuell

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Stadtrundfahrten München Weihnachten 2017:

Nochmals 2. Adventswochenende:
So 10.12.2017

Abfahrt München Ost:
10:00, 11:30, 13:30 und 15:00 Uhr
So. 10.12.: Zweizugbetrieb mit 001 180-9 und 50 0072

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Fahrtenprogramm und Museumsprogramm 2018 stehen zum donwload bereit (Link)!!!

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Das Museum hat Winterpause und ist ab März 2018 wieder geöffnet!

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Nä. Termine

Sa 06.01 - 10:00 - 17:00
In 25 Tagen:
Eisenbahn für Groß und Klein am Drei-Königs-Tag
Sa 03.02 - 07:00 - 21:00
In 53 Tagen:
Ski-Express I
Sa 03.02 - 08:00 - 20:00
In 53 Tagen:
Ski-Express II

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